21.4.2008

Buch

[ Emil Zopfi ]
Literatur lebt auch ohne Bücher, dieser Blog ist der beste Beweis. Diese Geschichten, Erinnerungen, Gedanken und Tagebuchnotizen existieren ohne Papier und Druckfarbe. Dass daraus auch ein Buch werden soll, hat mit dem «Welttag des Buches» zu tun, der Anlass für dieses Projekt bot. Doch der Widerspruch ist offensichtlich: Wir zelebrieren das Buch auf dem Medium seiner Abschaffung, indem wir Netzliteratur produzieren. Tag der Kranken, Tag der Menschenrechte, Tag der Arbeiterbewegung, Tag des Buches: was immer Gefahr läuft, unterzugehen im Getöse der Welt, wird zum Gedenktag erhoben. Hat das Buch das nötig?
Offenbar schon. Technisch gesehen ist der zwischen zwei Buchdeckeln gebundene Datenträger auf Papier längst veraltetet. Selbst die Literatur braucht ihn nicht mehr zwingend, viele Autorinnen und Autoren betreiben inzwischen ihre kreative Homepage oder «bloggen». Für lupenreine Netzautoren und -autorinnen ist das gedruckte Buch ohnehin so was wie die Bibel für den Teufel. Slampoeten rezitieren papierlos. Genauso wie die Mütter und Grossväter, die aus dem Stegreif ihre Kinder und Enkel mit Geschichten unterhalten und erziehen.
Vor etwa zehn Jahren hat man schon einmal das Ende des Buchs verkündet, auch ich hielt Grabreden. Das eBook kam auf den Markt, eine Art Laptop zum Aufklappen mit mobilem Netzanschluss zu elektronischen Bibliotheken, die jedes Buch der Welt auf den Schirm zaubern können, gegen angemessene Gebühr. Oder gar gratis, so wie man heute Musik fürs ganze Leben auf den iPod herunterladen kann. Ein bestechender Gedanke: Ich sitze am Mount Everest im Biwak, für Tage im Schneesturm blockiert, lade mir zum Zeitvertreib schnell den neuen Philip Roth runter. Das eBook war ein Flop, die Zeit offenbar noch nicht reif, das Angebot dürftig, die technischen Standards noch nicht klar.
Ist das Buch gerettet? Ich weiss es nicht. Auch das Mobiltelefon war zu Anbeginn ein Flop. Fach- und wissenschaftliche Literatur liegt längst im Netz, jetzt verzichtet sogar der ehrwürdige Brockhaus auf eine gedruckte Ausgabe und stellt sein in zweihundert Jahren gesammeltes Wissen online gratis zur Verfügung – finanziert durch Werbung. Ist die werbefinanzierte Literatur der Anfang vom Ende der Buchkultur?
Oder war schon der Fall der Buchpreisbindung der erste Schritt ins Büchergrab? Killt die Globalisierung den Rest des lebendigen lokalen Literaturschaffens? Kulturpessimismus hilft gewiss nicht weiter. Vielleicht ist der Gedanke sogar tröstlich, dass Literatur auch ohne gedruckte Bücher leben wird, allenfalls ergänzt durch «Books on Demand» für jene, die gern Papier zwischen den Fingern spüren, wenn sie im Bett oder am Strand Geschichten lesen. Denn der Mensch braucht Geschichten, in welcher Form auch immer. «So lange es noch Geschichten gibt, so lange gibt es noch Möglichkeiten», sagt Peter Bichsel in seinen Frankfurter Poetikvorlesungen. So lange es Geschichten gibt, können wir hoffen.
Selbst Diktaturen, die Bücher verbrennen liessen, haben es nicht geschafft, alle Autorinnen und Autoren zum Schweigen zu bringen. Sie haben ihre Texte im Untergrund getippt oder von Hand kopiert und weitergereicht. Der politische Witz, das revolutionäre Gedicht oder Lied brauchte kein Papier. Für totalitäre Regimes ist das Internet heute die grössere Bedrohung als das Buch. Darum wird auch die Diktatur der globalen Märkte die Literatur nicht töten.



14.4.2008

Archiv

[ Emil Zopfi ]
Gelegentlich steige ich auf den Estrich und mache mich an meinen Archivschachteln zu schaffen, suche irgendein altes Dokument, einen Textentwurf, Briefe oder eine Mappe mit Recherchen. Diese Woche bin ich bei den Schachteln mit Rezensionen hängen geblieben und dabei ein bisschen melancholisch geworden. Für jedes Buch habe ich eine Mappe angelegt, vor dreissig, vor zwanzig Jahren waren diese Mappen ganz dick, dann sind sie immer mehr geschrumpft. Die Anzahl der Besprechungen pro Buch hat umgekehrt proportional zu meinem Alter abgenommen. Einst wurden einige meiner Bücher im Tages-Anzeiger in Fortsetzungen vorabgedruckt und auf der Kulturseite kritisch gewürdigt, heute nimmt der Tagi eine Neuerscheinung von mir nur noch gelegentlich zur Kenntnis. Bei andern Zeitungen ist das nicht viel anders. Liegts vielleicht tatsächlich an meinem Alter? Oder an meinen Themen abseits des Mainstreams? An meinem unauffälligen Lebenswandel? An meinem Wohnort im Niemandsland? An der bescheidenen Pressearbeit meines Verlags? Oder an meinem unspektakulären Namen, wie mal ein Lektor meinte.
Ich habe gewiss keinen Grund zu jammern. Übers Wochenende fahre ich nach Wien, mein letzter Roman ist für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert, ein kleiner «Oscar» der deutschsprachigen Krimiliteratur. In meiner Mappe liegen bis anhin fünf Rezensionen, vom Tages-Anzeiger keine.
Peter Zeindler schreibt in einem Blog: «Manchmal denke ich, dass unsere Literaturkritik, die ja vor allem in der Tages- und Wochenpresse stattfindet, zum Mainstreamfeuilleton verkommen ist. Sie versucht zum Teil, sich international zu geben, nimmt die Veröffentlichungen von Schweizer Autoren oft nur punktuell, verspätet oder gar nicht wahr und wirkt oft gerade deshalb so provinziell.»
Ich weiss, liebe Damen und Herren der Kulturredaktion. Der Raum im Blatt für die kulturelle Berichterstattung ist eng geworden. Die Menge des nach Beachtung Schreienden dagegen ist angeschwollen zu einer Kulturlawine, die Sie tagtäglich mit Papier und Mails überschüttet. Agenten, PR-Agenturen und Kulturmanager machen Ihnen die Hölle heiss und schalten Inserate, neue Medien vernetzen Welt und Zürich ist bekanntlich ihr Nabel. Es gibt den Begriff des «globalen Schriftstellers», habe ich letzthin gelesen, das sind Namen, die man keinesfalls verpassen darf, wenn man «global» dabei sein will. Als Beispiel wurde Paulo Coellho genannt, der jedes Jahr ans Weltwirtschaftsforum nach Davos reist, um «Menschen zu treffen, die die Welt verändern».
Da müssen wir natürlich bescheiden hintanstehen. Global sind wir aber jetzt trotzdem, dank diesem Blog, den schliesslich auch die ganze Welt lesen könnte, wenn sie nur wollte. Ich weiss, dass mindestens ein Leser in den USA die Einträge studiert und sorgfältig kommentiert. Die Kritik dieser Art «globaler Literatur» kommt direkt, ungefiltert und tagesaktuell, es braucht dazu keine Kulturredaktion mehr und der Platz im virtuellen Medium ist uferlos. Meine Archivschachteln sind Relikte aus einer vergangenen Zeit, wohin ich sie einmal entsorge, weiss ich noch nicht.



07.4.2008

Vogel

[ Emil Zopfi ]


Für kommenden Freitag habe ich eine literarische Führung durch Glarus vorbereitet. Dabei bin ich auf eine interessante Figur gestossen, wie oft bei historischen Recherchen, ein Dichter des 19. Jahrhunderts, längst vergessen. Man nannte ihn den «Vogel von Glarus» und Vogel hiess er tatsächlich, Jakob mit Vornamen, geboren 1816 im schlimmsten Hungerwinter des Jahrhunderts, gestorben 1899 als «Dichter und Geschäftsmann». Achtjährig schickte man den kleinen Jakob in die Fabrik, eine der damals aufstrebenden Stoffdruckereien, er arbeitete sich hoch bis zum Zeugdrucker, besuchte die Abendschule, las in der Bibel und im «Göttinger Musenalmanach». Vom bescheidenen Verdienst kaufte er sich Bücher, im Alter von zwanzig soll der lesende Arbeiter schon eine Bibliothek von 600 Bänden besessen haben. Auf einer Fussreise durch Europa überkam ihn die Erleuchtung: «Heimwehkrank lag er zwischen Bellegarde und Lyon unter einem Baume, da quoll ihm ungeahnt das erste Lied aus dem Busen.» Ein Dichter war geboren. Der Wandersmann Heinrich Heine wurde Vogels Vorbild.
Er heiratete die Tochter des ersten Druckereibesitzers von Glarus, übernahm den Betrieb am Landsgemeindeplatz, erweiterte ihn zur Verlagshandlung, gab ein «Musenalmanach» heraus, versuchte mehrmals eine Tageszeitung zu lancieren und wurde Verleger seiner eigenen Poesie: Gedichtbände, in farbiges Leder gebunden, mit Goldprägung und Goldschnitt. «Grosses Aufsehen» weit über die Grenzen hinaus soll ein dreibändiges Nachschlagewerk erregt habe, das er herausgab: «Die poetische Nationalliteratur der deutschen Schweiz von Haller bis auf die Gegenwart.» Als Querdenker mischte sich Vogel auch in die Politik, schaffte sich Feinde im lokalen Filz: «Rücksichtslos nahm er ihre Intrigen in scharfen Epigrammen aufs Korn, riss manchem die Larve vom Gesicht, Wucherern, Heuchlern und Frömmlern vor allem». Auch politisch eiferte er offensichtlich Heine nach. Scharf ging er mit Literaturkritikern ins Gericht, auf manchen würde sein Reim auch heute noch zutreffen: «Als Dichter ist er nichts geworden, drum will in seiner Wut er andere morden.»
Vogels Haus wurde zum «Sammelplatz fast aller Literaten und Dichter der Schweiz». Er unterstützte notleidende Kollegen oft jahrelang. Mehrere deutsche Schriftstellervereinigungen nahmen ihn als Mitglied auf.
Seine erste Frau starb früh, mit 78 heiratete er nochmals, als ziemlich gebrechlicher Greis schon. Die NZZ meldete seinen Tod schon sechs Jahre bevor er starb, «in der Matratzengruft» wie sein Vorbild Heinrich Heine.
Vogel verkaufte die Druckerei 1894 an einen Jakob Spälti; die Spälti Druck AG Glarus ist heute ein global tätiges Unternehmen, spezialisiert auf Strichcode-Etiketten, die in China, Indien und andern Ländern gedruckt werden. An den «Vogel von Glarus» erinnert sich kaum noch jemand, sein Grab ist verschollen. Zufällig habe ich eines seiner goldgeprägten Gedichtbändchen auf einem Flohmarkt gefunden, mit handschriftlicher Widmung des Fotografen Klaus Schönwetter «von Frau Dichter Vogel aus Dankbarkeit für die wohlgelungene photographische Aufnahme ihres seelg. Gatten erhalten». Die jung verwitwete Frau Dichter heiratete später einen Gastwirt.



31.3.2008

feilen

[ Emil Zopfi ]
Was feile ich manchmal an meinen Texten herum! Vielleicht wäre weniger mehr. Wie früher, als es noch keine Computer gab zum Schreiben. Vor vierzig Jahren, als ich einen der ersten Minicomputer installierte, benutzten wir zwar schon Software zum Schreiben, so genannte Editoren, wir verfassten aber nicht literarische Texte, sondern Programme. Da musste man auch feilen, bis jedes Wort sass und das letzte Komma am richtigen Platz war. Eine der Computersprachen, die ich damals benutzte, hiess übrigens «Prosa».
In meiner Freizeit schrieb ich auch Prosa, aber von Hand. Nie wäre mir in den Sinn gekommen, auf einem Programmeditor eine Geschichte zu tippen, was durchaus möglich gewesen wäre. Paul Lutus, ein ehemaliger NASA-Techniker, der einen kleinen Computer als Schreibmaschine programmierte, wurde reich. Ich nicht. Ich schrieb von Hand, tippte dann den Entwurf ab mit Vaters alter Schreibmaschine Marke «Adler». Verbrauchte unendlich viele Tippex-Blättchen und Tippex flüssig. Die alten Werkzeuge taugten zum Textfeilen wenig. Dafür konnte man einem Verlag ein von Hand korrigiertes Manuskript auf Papier abgeben. Einmal akzeptierte das Radio sogar ein handgeschriebenes Hörspiel, weil ich unten in Kalabrien keine Schreibmaschine dabei hatte. Ironischerweise hiess das Hörspiel «Schach dem Computer»!
Wenige Jahre nachdem Paul Lutus 1976 in einer Waldhütte in Oregon entdeckt hatte, dass sich Computer mit entsprechender Software auch ganz gut zum Schreiben von Texten eignen, schaffte ich mir auch ein Gerät und einen Drucker an und die Feilerei begann. Die ersten Textprogramme hatten zwar schönen Namen wie «Wordstar» oder «Wordperfect», waren noch eher unhandlich und die Verlage nahmen noch keine Disketten entgegen. Die meisten Autorinnen und Autoren scheuten die Elektronik; auch ich schrieb tiefschürfende Essays, wie negativ das Schreiben an Bildschirm und Tastatur den Stil beeinflusse. Der Stilist Wolf Schneider nannte den Computer gar eine «elektronische Schlampe», er begünstige «einen schlampigen Umgang mit der Sprache, das im Durchschnitt schlechtere, ärmere Deutsch». Mittlerweile ist das kaum mehr ein Thema, man hat sich ans neue Werkzeug gewöhnt, ja, man kann sich kaum mehr vorstellen, wie man einst mit Bleistift, Gummi, Schreibmaschine, Tippex, Schere und Klebstift ganze Bücher zu Stande brachte.
Inzwischen bin ich vorsichtig geworden im Urteil, was den Einfluss des Computers auf den Stil betrifft. Der Laptop liegt nun mal da, man möchte ihn nicht mehr missen und die Verlage und Redaktionen nehmen ohnehin nur noch elektronische Manuskripte per E-Mail entgegen. Nur das endlose Feilen an den Texten nervt mich gelegentlich. Werden sie besser? Ich weiss es nicht.
Manchmal erinnert mich die Metapher an meine Lehrzeit, als ich auch feilen lernte, aber nicht Sätze, sondern reale dicke Eisenklötze. Ich war nicht gerade eine grosse handwerkliche Begabung, ich feilte und feilte, mass und prüfte mit Haarlineal, Schublehre und Mikrometer, bis mein Werkstück endgültig verdorben war. Manchmal kommt mir das auch bei einem Text so vor.



24.3.2008

Finale

[ Emil Zopfi ]

Seit Jahren taucht in meiner Steuererklärung ein Spesenbetrag auf: «Recherchereise Finale». Einmal oder zweimal im Jahr fahren wir nach Finale Ligure zur Recherche – und zum Klettern in den sonnigen Felsen hoch über dem Mittelmeer. Finale ist auch eines meiner ewig unvollendeten literarischen Projekte. Das Steueramt zeigt Verständnis und akzeptiert den bescheidenen Betrag, Jahr für Jahr.
Alles begann an jenem 1. Januar 1991 an der «Falesia del Silenzio». Es war gegen Abend, die Sonne stand tief über dem Felsrücken jenseits des Tals, wir machten uns an den Abstieg. Doch dann stiessen wir am Fuss einer Wand auf einen Kletterer, abgestürzt, schwer verletzt, ein paar andere standen aufgeregt oder ratlos um ihn herum. Ein Fehler beim Sichern, zwanzig Meter Sturz, haarscharf am Tod vorbei. Was folgte, war eine Rettungsaktion, deren Ablauf eigentlich nur Franz Kafka in ihrer Absurdität angemessen schildern könnte. Ein Helikopter tauchte auf, zog Schleifen, die Seilwinde war kaputt, wie wir später erfuhren. Feuerwehrleute seilten sich über die Felsen ab, brüllten Kommandos, hackten mit ihren Beilen kleine Bäume weg, ein Mann mit einer Bahre verirrte sich in der Dämmerung im steilen Wald, Suchaktion, Dunkelheit brach herein, Retter stellten Scheinwerfer ins Gelände, Aggregate knatterten, bis das Benzin ausging. Vierzig Leute stolperten rufend und fluchend durch die Nacht, oft hart am Absturz, Steine krachten herab. Komplizierte Seilmanöver zerrten die Bahre mit dem Verletzten endlich um einen Felsvorsprung herum, ein deutscher Kletterer und Arzt rief dringend nach Medikamenten: «Sonst stirbt er uns gleich!» Das italienische Ärzteteam wartete im Tal, da alle nur feine Schuhe mit Ledersohlen trugen. Ich war zu einer Art Dolmetscher ernannt worden und vermittelte zwischen den deutschen Kletterern, zu denen der Verletzte gehörte, und den Rettungsleuten. Weiter unten im Tal kamen uns Presseleute entgegen, Kameras blitzten. Und unablässig dachte ich: Das wird ein Buch!
Bisher ist es keines geworden, trotz mehreren Anläufen. Einmal schaffte ich siebzig Seiten, die ruhen nun in meiner Archivschachtel Nr. 38, zusammen mit dem Presseartikel der «Stampa», die schon am folgenden Morgen in einem ausführlichen Artikel die effiziente Leistung der Rettungsmannschaft von den «vigili del fuoco» lobte. Ein Foto zeigte den Helikopter Typ Bell 412 im Einsatz.
Warum gelingt es mir nicht, aus dieser Erfahrung eine Geschichte zu machen? Das habe ich mich oft gefragt. Ich habe recherchiert, die Schauplätze fotografiert, jedes Pflänzchen und Steinchen habe ich notiert, bin die Absturzroute geklettert. Mir fehlt der überzeugende «Plot». Eine dramatische Situation ist noch keine Geschichte. Vielleicht will ich auch einfach zuviel, einen grossen Bergsteigerroman wie «Die Eiswand» des Japaners Yasuschi Inoue.
Letzthin sprach mich eine junge Frau im Klettergarten an: «Schreib doch wieder mal einen Bergkrimi», bat sie. «Nein», sagte ich. Zehn Minuten später dachte ich: Warum nicht noch ein Versuch? Vielleicht gelingt es doch irgendwann. Auch Kletterrouten schaffen wir oft erst im zwanzigsten Anlauf. Der Titel jedenfalls steht: Finale!
Vor ein paar Tagen kletterte ich an der «Falesia del Silenzio». Zwecks Recherche. Fürs Buch und fürs Steueramt.



17.3.2008

schweigen

[ Emil Zopfi ]


Der Tages-Anzeiger bietet auf zur Debatte: «Das Schweigen der Denker». Heute Abend in Zürichs Cüpli-Hochburg «Kaufleuten». Im Inserat blickt Max Frisch nachdenklich durch seine Hornbrille auf die Schlagzeile, die offensichtlich dem Thriller «Das Schweigen der Lämmer» nachgedichtet ist. Auf dem Kaufleuten-Podium werden also einige Denker im Lammpelz sitzen, darunter Lukas Bärfuss, der die Debatte im vergangenen Oktober losgetreten hat mit einem bemerkenswerten Text in Tagi-«Brennpunkt»: «Warum schweigen die Schweizer Schriftsteller?» Es standen Wahlen an, die SVP begeisterte die Medien mit dumpfen Drohungen angesichts der drohenden Abwahl Bundesrat Blochers; wir Schriftsteller waren offenbar zu schreib- oder denkfaul um uns einzumischen. Lukas Bärfuss distanzierte sich aber auch von den «untauglichen Pfeifen rauchenden Vorbildern der Vätergeneration», wenn ich ihn richtig verstanden habe, den Meienberg, Frisch und Muschg, die sich in historisch so bedeutsamen Momenten reflexartig zu Wort gemeldet hätten mit einem grossen Essay zum Zustand der Nation. Er forderte Raum für das freie Wort. Danke, Lukas!
Ich habe natürlich sogleich meinen Laptop angeworfen und einen Leserbrief verfasst, doch geriet er zu lange und würde von der Redaktion gekürzt, dachte ich, und habe die Delete-Taste gedrückt. Also geschwiegen. Mit schweren Gewissensbissen. Der Vorwurf peinigt uns ja in regelmässigen Zeitabständen, mal kommt er von der Weltwoche, mal von der WoZ: Die Welt steht am Abgrund und ihr Schreiber schweigt! Ihr kassiert Werkbeiträge und ab nach Berlin oder Dublin und nach euch die Sündflut. Oder noch schlimmer, die SVP.
Man vermisse die Voten der Dichter und Denker heute mehr denn je, schreibt der Tagi im Inserat. Ist das ein Angebot zur Mitarbeit? Damit schiesst sich die Redaktion aber in den eigenen Fuss, meine ich. (Ich hoffe, der Bär-Fuss schiesst heute Abend zurück.) Wo ist denn in diesem und in andern Blättern noch Raum fürs «freie Wort», eine nicht auf Leserbriefmass gestutzte Meinungsäusserung zum Zustand der Welt oder der Asylpolitik oder der Rechtschreibung? Die politische und kulturelle Meinungsbildung in der Presse wird mit wenigen Ausnahmen längst durch die Redaktionen selbst bestritten, so weit sie neben Skandal und Lifestyle noch Platz findet. Wo, bitte, soll man sich zu Wort melden? Hier im Blog? Im Internet, das Joseph Weizenbaum einen riesigen Misthaufen genannt hat, mit ein paar versteckten Perlen?
Ein bescheidener Nachruf auf den kürzlich verstorbenen Informatikpionier, Computerkritiker und Autor steht übrigens direkt über dem Inserat mit dem nachdenklichen Max Frisch, zwischen zwei Konzertkritiken und dem Bericht über einen poppigen Tibet-Vortrag im rappelvollen Volkshaus. Weizenbaum erinnert mich, dass der Tages-Anzeiger und andere Medien vor einigen Jahren noch dem Computer und den Technologien, die unser aller Leben bestimmen und verändern, breiten Raum widmeten, dicke Beilagen druckten mit informativen und mitunter auch kritischen Texten. Da durfte ich mich auch gelegentlich mal zu Wort melden. Doch die Inserate der Branche sind zurückgegangen, und wo keine Werbung ist, da ist auch kein Raum für Text.
Dabei meine ich, es gäbe auch heute noch genügend Themen, die gesellschaftspolitisch wichtiger wären als die Augustfeier auf dem Rütli oder Hillary Clintons Misserfolg bei den Vorwahlen in Wyoming. Man könnte zum Beispiel Joseph Weizenbaums vor 30 Jahren formulierte These diskutieren, dass der Computer ein «Instrument zur Zerstörung von Geschichte» sei, dass die neuen Medien also unser historisches Bewusstsein auslöschen. Vielleicht hat er recht: unser Gedächtnis ist Google, unser «vernetztes» Denken der nächste Hyperlink.  
«Warum schweigen die Schweizer Schriftsteller?» Die Antwort ist einfach: Gebt uns Raum in der Zeitung und wir schreiben. Oder lest unsere Bücher.



10.3.2008

vergriffen

[ Emil Zopfi ]
Das Zentrale Verzeichnis antiquarischer Bücher ZVAB auf dem Internet ist wirklich praktisch. Für meine gegenwärtige Arbeit recherchiere ich viel in alten Büchern, ich finde sie auf dem Netz und lasse sie mir schicken. Natürlich schaue ich auch gelegentlich, welche meiner eigenen Bücher in den Antiquariaten verstauben. Im Secondhand-Buchhandel hat sich einiges angesammelt in dreissig Jahren.
Einer meiner Titel ist mir mal besonders ins Auge gesprungen: «Mondmilchsteine». Das ist keine Schleichwerbung, das Buch ist längst vergriffen und inzwischen auch aus zvab.com verschwunden. Es ist mir aufgefallen, weil es zu einem bemerkenswert hohen Preis angeboten wurde; im Beschrieb sah ich dann den Grund. Ich hatte es einst der «Studienbibliothek für die Geschichte der Arbeiterbewegung» geschenkt, mit Widmung versehen und einem eingeklebten Foto meiner Mutter, die eine Arbeiterin gewesen war – ihr hatte ich das Buch gewidmet. Es war die Zeit der «Literatur der Arbeitswelt», ich war Mitglied in der Zürcher «Werkstatt schreibender Arbeiter», meine literarische Grundschule. Irgendwann wurde die Studienbibliothek aufgehoben, mein Geschenk landete beim Antiquar.
In «Mondmilchsteine» erzähle ich vom Fabrikdorf Gibswil, das heute kein Fabrikdorf mehr ist, denn die Fabrik ist abgebrannt. Brandstiftung, nie aufgeklärt. An jenem Montagmorgen im Januar 1984, als sie in Flammen stand, gab es das Buch noch; ich las in einer Schulklasse in Basel gerade daraus vor, eben jene Stelle, in der ich die Fabrik schon mal literarisch in Brand steckte. Am nächsten Tag titelte der Tages-Anzeiger: «Es brannte nicht irgendeine Fabrik». Es war die Fabrik, in der meine Eltern fast ihr ganzes Leben gearbeitet hatten und in der ich als kleiner Junge am Samstagnachmittag beim Maschinenputzen half. Das Zentrum unseres Dorfes und unseres kleinen Lebens.
Nun ist das Buch also selbst aus den Antiquariaten verschwunden, auch jenes mit dem Foto meiner früh verstorbenen Mutter hat offenbar jemand gekauft. Manchmal schreiben mir Leute, die noch ein Exemplar suchen, gelegentlich melden sich Schweizer aus dem Ausland, die es als Heimatlektüre schätzen. Etwa jener Winterthurer, der in Kanada einen Verlag namens «Moonstone Press» führt. Wir korrespondierten, er gab dann auch mal ein Büchlein von mir in englischer Sprache heraus. Zwei jungen Familien, die in Gibswil in die alte Fabrikantenvilla eingezogen sind, habe ich eines der letzten Exemplare geschenkt, sie haben uns dafür zu Kaffee und Kuchen eingeladen, und ich durfte durch Räume gehen, die mir als Kind verschlossen waren.
Ein letztes vergilbtes Exemplar signierte ich vor einigen Jahren an der Universität von Tel Aviv. Ein junger Schweizer Biologe hatte es bei sich im Labor und las darin, wenn ihn das Heimweh packte.
Eben schrieb mir der Verlag, dass wieder eines meiner Bücher vergriffen sei. Etwas traurig bin ich, denn auch ein Abschied von Büchern bedeutet, wie man sagt, ein wenig Sterben. Und doch leben sie irgendwie weiter und vielleicht sogar noch ein bisschen länger als wir selber.



03.3.2008

Hohler

[ Emil Zopfi ]



Als wir sechzig waren, haben wir zusammen den Mürtschenstock versucht, Franz Hohler und ich. Man kann das in seinem wunderschönen Buch «52 Wanderungen» nachlesen, Kapitel «Umkehren». Es war der heisse Sommer 2003, ein Sonnentag folgte auf den andern, doch im steilen felsigen Abhang unter dem Gipfel des mittleren Mürtschen überraschte uns ein Sommergewitter. Ein heftiger Windstoss trieb Wolkenfetzen über den Grat, unvermittelt klatschte uns kalter Regen ins Gesicht. Franz setzte seinen schwarzen Filzhut auf, packte seinen Stock, wir kehrten um, rutschten über Schneefelder hinab. Weiter unten dann, wir sassen in einer Blumenwiese beim Picknick, da war der Spuk vorbei, die Sonne schien wieder, die Felsen glänzten nass. Ein bisschen wurmte es uns, dass wir aufgegeben hatten, doch der Entscheid war vernünftig gewesen.
Vor dreissig Jahren haben wir uns kennen gelernt, wir waren Mitglieder der Programmkommission der ersten Solothurner Literaturtage. Lose hielten wir Kontakt, tauschten gelegentlich ein Buch aus. Franz schrieb mir oft einen freundschaftlichen und ermutigenden Kommentar. Das ist ja eher selten unter Kollegen – jedenfalls unserer Generation. Man ist halt doch ein bisschen Einzelkämpfer im literarischen Geschäft. In einem seiner Bücher las ich von seinen Bergtouren: Mittellegigrat am Eiger, Jungfrau Westgrat, Zermatter Weisshorn. Starke Texte vom Bergsteigen, wie man sie heute selten noch findet in der deutschsprachigen Literatur.
Hohler ein Bergsteiger? Man kennt ihn als Kabarettist und Cellist, als Schriftsteller, als politischen Kommentator und moralische Instanz. Er nimmt öffentlich Stellung für die Schwachen und Rechtlosen, für die Umwelt und gegen die Arroganz der Macht. In einem Interview sagt er: «Ich möchte ein Zeitgenosse sein, der dasselbe Augen- und Ohrenpaar zur Verfügung hat wie alle, der aber vielleicht ausspricht, was andere nur denken.» Er redet, wenn wir schweigen. Dass er auch wandert und klettert, die Natur und die Berge liebt, hat mich noch mehr für ihn eingenommen. «Komm mit auf meinen Hausberg», habe ich vorgeschlagen.
Der Mürtschenstock ist ja nicht irgendein Steinhaufen, er gehört zur Literaturgeschichte. Auf der Wiese, auf der wir picknickten, pflückte achtzig Jahre zuvor der junge Ludwig Hohl Blumen für seine Grossmutter. Der Mürtschenstock war ein Schlüsselberg seiner Jugendjahre im Glarnerland, er hat ihn oft bestiegen, auch auf schwierigen Routen. An jenem 4. August 1922 notiert er ins Tagebuch: «Diesen Tag zu beschreiben soll der Historiker aufhören u. der Dichter beginnen.» Hier entschloss er sich also, ein Dichter zu werden und hielt sich an den Vorsatz, sein ganzes Leben lang.
Ich erzählte das Franz und wir lachten auch über die Steigerung der Namen: von Hohl zu Hohler.
Im Abstieg auf der Meerenalp dann noch eine Entdeckung: In einen Felsblock ist unser Geburtsjahr eingemeisselt: «Alprhodung durch Refraktäre im Arbeitsdienst 1943, VIII-IX.» Wir rätselten über den eigenartigen Text.
Ein Jahr später kehrten wir wieder, diesmal schafften wir den Gipfel. Und nun sind schon wieder ein paar Jahre vergangen.
Franz Hohler ist am 1. März 65 geworden: Ich wünsche ihm noch viele glückliche Jahre und glückliche Stunden auf hohen Bergen.



25.2.2008

Gid

[ Emil Zopfi ]
In der NZZ per Zufall entdeckt: Frau E. ist gestorben, weit über 90 Jahre alt. Sie stammte aus einer Familie von Glarner Industriepionieren. Vor Jahren sass ich bei ihr in der Villa, wir tranken Tee und sprachen über Vergangenes, die Geschichte des Familienunternehmens und ihren Bruder, der in den Dreissigerjahren in die USA ausgewandert war. Gid nannte er sich drüben. Ich wollte während eines Amerikaaufenthaltes recherchieren.
Eigentlich hiess er Egidius wie der Stammvater der Dynastie von Fabrikanten, ein Rückwanderer, der in Portugal aufgewachsen war und im Jahr 1796 in Glarus eine Stoffdruckerei eröffnet hatte. Da wäre noch ein grosser Familienroman über fünf Generationen zu schreiben, Buddenbrocks im Glarnerland, von Aufstieg, von Blüte und Niedergang. Leider bin ich kein Thomas Mann und die Zeit der epischen Grossform ist in unserer kurzlebigen Welt wohl vorbei.
Nach dem Tee schickte Frau E. ihre Enkelin nach Fotos: Gid in Uniform, ein General der US-Army gibt ihm die Hand, verleiht ihm eine Auszeichnung. Automechaniker hatte er gelernt, in den USA eine Reparaturwerkstätte für Greyhound-Busse betrieben, bis er in den Krieg zog, als Schweizer in der US-Army. Vierundzwanzig Einsätze als Bombenschütze in einer fliegenden Festung.
In der Universitätsbibliothek von Iowa City blätterte ich in der «Combat Chronology» der US-Luftwaffe und fand Fakten. Am 11. April 1944, einem klaren Frühlingstag, hob Gids Fliegende Festung von der Basis in High Whycombe in England ab, Auftrag seiner 25sten und letzten Mission war, deutsche Luftfahrtfabriken um Leipzig zu bombardieren. High Whycombe: Dort hatte ich einst bei einer Elektronikfirma ein hartes, aber erfolgloses Einstellungsgespräch geführt, ging mir durch den Kopf, und ich verlor mich in eigenen Erinnerungen.
Der 11. April 1944 endete in einem Desaster für die Air Force, sie verlor 64 Maschinen. Auch Gids fliegende Festung blieb verschollen. Ich recherchierte weiter: Wie viele Schweizer leisteten im Zweiten Weltkrieg Dienst in den amerikanischen Streitkräften, wie viele starben? In den militärischen Archiven gibt es Zahlen über Schweizer in der deutschen Wehrmacht, es gibt ein Buch über Schweizer in der Waffen-SS. Über unsere Bürger, die mit den Amerikanern gegen die Nazis kämpften, gibt es keine Daten – jedenfalls bekam ich diese Auskunft von Militärhistorikern.
Gids Schicksal hat mich tief berührt: Der Nachkomme von Generationen von Industriepionieren stirbt beim Zerstören von Industrieanlagen. Ein gewaltiger Bogen wäre da zu erzählen, gespannt von 1796 bis 1944 oder weiter bis in die heutige Zeit. Ich habe mir das nie zugetraut. Eine kleine Geschichte über Gid schrieb ich in den USA in Englisch, stellte sie ins Netz. Ein Weltkriegsveteran der Air-Force entdeckte sie, schickte mir Bilder und Erinnerungen. In meinem Kopf existiert ein Buch, tausend Seiten, der grosse Industrieroman der Schweiz. Manchmal lese ich darin. Schreiben werde ich es nie. Und da liegt seit Jahren noch ein Zettel: «Frau E. besuchen».



18.2.2008

Luder

[ Emil Zopfi ]
Wörter findet man nicht nur in Wörterbüchern, sondern auch auf der Strasse. Ich habe eine Marotte, ich hebe jeden Zettel vom Boden auf, vielleicht steht ja etwas Interessantes drauf. Plakätchen für verlorene Katzen sind stets erheiternde Lektüre, wie auch amtliche Verlautbarungen. In Berlin habe ich einmal ein richtiges schönes Liebesgedicht gefunden.
Diese Woche habe ich auf einem Spaziergang bei einer Jägerhütte einen Text gelesen, der an die Holzwand gepinnt war. Darin stiess ich auf ein interessantes Wort: «Luder». Da ging es nun aber nicht um das Schimpfwort für «liederliche Frauenzimmer», wie es Grimms Wörterbuch definiert, sondern um den ursprünglich waidmännischen Begriff für «Lockspeise» oder Köder.
Wahrscheinlich ist mir das Wort ins Auge gesprungen, weil ich letzthin beim Recherchieren einem «Fräulein Luder» begegnet bin, das sich später «Lindner» nannte – vermutlich wohl um nicht als «liederliches Frauenzimmer» zu gelten. Dieses Fräulein Luder war im Jahr 1924 im Alter von 18 Jahren mit einem jungen Schweizer Dichter nach Frankreich gezogen, hatte mit ihm einige Jahre in «wilder Ehe» gelebt, wie man damals sagte. Jedenfalls war sie auch nach ihrer Rückkehr ein Fräulein geblieben, sehr ehrenwert nun, promovierte Romanistin, Lehrerin für alte Sprachen und in der Stadt Zürich geschätzte Kirchenchor-Leiterin.
Ihr Vorname war Gertrud, doch der Dichter nannte sie in seinen Tagebücher nur T., was wohl steht für Trudi. Mit T. unternahm er im Glarnerland Bergtouren und in Frankreich dann ganz wilde Auf- und Abstiege im Dauphinégebirge. Man bekommt beim Lesen den Eindruck, Gertrud Luder sei eine recht kühne und kräftige Bergsteigerin gewesen. Einmal rettete sie ihren Dichterfreund mit einer cleveren Idee aus einer lebensgefährlichen Lage beim Abseilen, ein andermal half sie ihm aus einem Gletscherspalt. Irgendwie stelle ich sie mir in späteren Jahre auch etwas traurig und einsam vor, der Dichter hatte längst eine andere geheiratet, wieder geschieden, wieder geheiratet.
Fräulein Luder/Lindner brach nun am 30. Juni 1946, einem Sonntagmorgen um 4 Uhr, von der Alp Mullern ob Mollis im Glarnerland auf, um den Nüenchamm zu besteigen, einen harmlosen Wandergipfel in der Nähe unseres Dorfes. Als sie nicht zurückkehrte, machte sich der Wirt des «Alpenrösli», wo sie übernachtet hatte, auf die Suche und fand sie tot. Verirrt, vom Weg abgekommen, ausgerutscht und über Felsen gestürzt, vermutete man. Ich zweifle an dieser Version, es war ja ein sonniger Tag, weder Nebel noch Nässe, aber heute, nach über 60 Jahren, dürfte es schwierig sein, die wahren Umstände ihres Todes zu ergründen. Und doch, die Geschichte fesselt mich, das Fräulein Luder ist eine literarische Verlockung geworden.



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