Bookparade! Jetzt buchen!
| [ Simon Chen ] |
Bild: Notebook verneigt sich vor Buch
Morgen begehen wir also den Welttag des Buches. Wir feiern einen Stoss Papier in einem Kartonumschlag. Aber wenn Fremdenführer (21.Feb.), die Fernmeldung (17. Mai) und sogar die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre (17. Juni) ihren Welttag haben, so hat auch der Weltbuchtag seine Berechtigung. Er fällt übrigens mit dem Tag des deutschen Bieres zusammen, aber das eine schliesst ja das andere nicht aus, ganz im Gegenteil.. Jedenfalls begehen wir den Tag des Buches im wortwörtlichen Sinn, denn wir marschieren morgen für die Sache des Buches. Und zwar an der Bücherparade..pardon..Bookparade (21. Feb. Internationaler Tag der Muttersprache). Die Bookparade, ein menschlicher Bücherwurm, der sich durch Zürichs Innenstadt schlängeln wird und aus hoffentlich vielen vielen Librophilen besteht, die laut aus ihren Lieblingsbüchern vorlesen. Schöne Sache. Ich war letztes Jahr schon Mitläufer und hab Tim Krohns wunderbare „Quatemberkinder“ vor(mich her)getragen. Doch, die Bookparade, ich muss sagen, das hatte etwas. Ein murmelnder Strom lesender Menschen, den eine nahezu religiöse Aura umhüllte. Wie Mantra singende Mönche zogen wir durchs Niederdorf, in vor der Brust gefalteten Händen die Bücher, die heilig schienen.
Bei einer Zwischenstation durfte ich dann die literarischen Raver weiter "aufpeitschen", per Megaphon gab ich einen Text über sprechende Bücher zum Besten. Ein Jahr zuvor, 2006, war ich in Sachen Buchtag mit zwei Slam-Kollegen in Zürcher Buchhandlungen unterwegs. Das war leider ein Flop, der Tag war wunderbar sonnig und die Läden furchtbar leer. So wie Lesen und Bücherkaufen ist auch der Erfolg einer Bookparade wetterabhängig, wenn auch grade andersrum. Ich hoffe, wir werden morgen kein Aprilwetter haben, aber ich werde in jedem Fall wieder mitlaufen, mitlesen und schon fast traditionellerweise einen Text performen.
Der Welttag des Buches soll Menschen aus Büros in Buchhandlungen und Bibliotheken locken. Für die Bookparade sollen Internetuser auf die Strasse streamen, sollen ihren Blick vom Bildschirm in Buchseiten lenken, sollen erkennen, dass die computergenerierte Virtualität nicht zu vergleichen ist mit derjenigen, die im eigenen Kopf entsteht, wenn man ein Buch liest. Aber am besten wäre es, wenn der Weltbuchtag Nichtleser dazu motivieren könnte, zu einem Buch zu greifen. Die Bookparade, der Bücherwurm aus lauter Leseratten, soll den Krankheitserreger Lesefieber unters Volk bringen! Wer liest, versetzt sich in andere Menschen und wer sich in andere Menschen versetzt, bleibt offen und liefert damit einen Beitrag zum Weltfrieden. Amen.
Deshalb: kommen sie morgen Mittwoch 23. April um 17.30 zum Hirschenplatz in Zürich, werden Sie Teil des Bücherwurms und verlängern Sie ihn! Kommen Sie zahlreich und bei jedem Wetter, ein Buch wird gerne in Kauf nehmen, nass zu werden (Welttag der Feuchtgebiete, 2.Feb.) solange es nur aufgeklappt und gelesen wird, statt verschlossen vor sich hinzustauben.
So, die dreizehn Dienst(t)age sind um, ich bedanke mich ganz herzlich für ihre Aufmerksamkeit und wünsche uns allen einen erlesenen Tag des Buches!
Simon Chen
Kommentare
2008-04-22 08:19:48
Lieber Simon Chen
Auch Ihnen ein herzliches Dankeschön. Mir
wird er fehlen, der Blog. Aber nun freuen
wir uns auf den Bücherwurmumzug.
Fatima Vidal
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