23.4.2008

Letzte Buchstaben

[ Arja Lobsiger ]
Dies ist mein letzter Blog, nach drei monatiger Bloggerei. Was sagt man zum Schluss? Ich mag keine Abschiede, habe aber gerne das letzte Wort. Um nicht an den Abschied zu denken, schreibe ich, wie es mir als Blog Schreibende ergangen ist.
Der Gedanke, dass jeden Mittwoch ein neuer Text entstanden sein soll, begleitete mich durch manchen Sonntag. Auch montags liess er nicht von mir ab, nein, er machte es sich jetzt richtig gemütlich in meinem Kopf und verbündete sich mit dem vernünftigen Teil meiner Gedanken. Gemeinsam klopften sie in den ungünstigsten Momenten an: „Schreib jetzt den Blogeintrag.“  Nur selten habe ich ihnen Folge geleistet, mir erschienen andere Worte in meinem Kopf vergänglicher und so schob ich den Blogeintrag vor mir her. Am Dienstagmorgen setzte ich mich dann jeweils vor den Computer und begann zu schreiben. Manchmal waren die Worte sogleich da, als hätten sie darauf gewartet, geschrieben zu werden. An anderen Tagen kamen sie nur stockend auf das Papier und ich fühlte mich von ihnen bestraft und alleine gelassen. Oft war es aber nicht das Schreiben an sich, welches mir Worte verwehrte, sondern die Tatsache, von mir oder über mich schreiben zu müssen. Ich bemerkte: Das fällt mir auf einmal schwer. Natürlich liegt meinen Texten immer ein Teil von mir zu Grunde, aber sie haben zu mir und meinem Alltag eine andere Nähe. In meinen Geschichten kann ich mich verstecken, ich kann vom Schrecklichen schreiben, aber auch über meine geheimen Wünsche.
Ist es überhaupt möglich, von mir zu schreiben, oder ist es immer gleich ein Konstrukt, sobald die Worte auf dem Papier stehen? Woher weiss ich, dass ich im Text bin? Müsste ich über jeden der Blogeinträge den Titel „Ich“ setzen können? Mir erschienen meine Einträge manchmal lückenhaft. Ich dachte: „Das will ich erzählen, so will ich es schreiben, aber irgendwie bin das doch gar nicht ich.“
Es hat mich Überwindung gekostet, aus den schützenden Mauern des Literatur Instituts zu treten, mich plötzlich zu exponieren, einen Teil zu zeigen von mir, meine Texte im Internet zu sehen, wo jeder und jede sie lesen und kommentieren konnte.
Ich werde den Blog aber auch vermissen. Das Schreiben der Einträge hat mir Regelmässigkeit in meinem Alltag geschenkt. Ich habe jede Woche einen Text geschrieben und publiziert. Das klingt vielleicht komisch, aber normalerweise muss ich nicht jede Woche einen Text abschliessen und veröffentlichen. Auf einmal waren da Lesende, mir unbekannte Leserinnen und Leser. Es war aufregend und schön zugleich, zu wissen, dass sie da sind. Ohne sie bin ich ja nur Schriftstellerin für mich.



Kommentare

sinan - sinanmax [at] hotmail.com - http://www.bildermax.ch
2008-04-23 05:50:20

danke viel mol

Pascal Alter - pascal.alter [at] gmail.com
2008-04-23 22:52:56


Guten Abend , Liebe Frau Lobsiger,
Guten...? jetzt ich bin sehr traurig, was soll ich sagen ?
Worum es geht wirklich ?
Sie schreiben so gut , aber warum nur am Dienstag ? -- um am Mittwoch zu publiezieren ?
Schreiben Sie bitte wie einmal Peter Handke- jeden Tag und zwar viel-mal !Bitte lesen Sie Ihre Journal ; November 1973-Maerz 1977 unter Titel Das Gewicht der Welt ; jeden Tag paar -Zeile : und zB. am 23.04.1976 sogar :
23 Aufzeichnungen und zwar sehr Interessant!
Motto : bloge, also bin ich !
Wenn Sie jeden Tag koennen schreiben , also wollen schreiben - dann am Mittwoch - jede Mittwoch !,waere es ganz viel zu publiezieren ,um uns Ihre LeserInnen zu freuen !
So ist es , Liebe Junge Dame - wie ich meine .
Also bitte ; machen Sie weiter !
Guten Abend noch ,
und viel Gruesse :)
Pascal Alter
Kielce(noerdlich Krakau )
Polen

noalilly - noalilly [at] mail4kidz.ch
2008-04-27 10:58:57

liebe arja,
ich kenne genu dieses problem auch, ich finde ihren beitrag aber sehr gelungen!
zudem mit dem gewissen, nächsten mitwoch muss der blog fertigsein, ist es auch nochmal was anderes,
denke ich.
liebe grüsse
lilly

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